Just in: An opera activist turns her back on the opera
mainElisabeth Kulman, the Austrian mezzo-soprano who campaigned against slave-wage conditions by which singers could rehearse for six weeks and not get paid a penny if they fell sick on premiere night, has announced her withdrawal from the opera stage.
She will focus on concerts and oratorios in future. Statement follows (mostly auf Deutsch).
Four years ago, Kulman suffered a devastating accident when she took a blow to the throat while rehearsing Tristan. She made a successful recovery and went on to found Art But Fair, a lobby group for fair play.
We wish her every success in the future.
Elisabeth Kulman hat sich entschlossen, ihre sängerische Tätigkeit in Zukunft auf das Konzertpodium – Liederabende, Konzerte, konzertante Opernaufführungen – zu verlegen, und hat daher szenische Opernpläne bei sämtlichen Veranstaltern zurückgelegt. Elisabeth Kulman blickt auf ihre Opernbühnenkarriere mit Freude und Dankbarkeit zurück, hofft, für ihre persönliche Entscheidung Verständnis zu finden, und freut sich auf viele künstlerische Begegnungen bei konzertanten Projekten.
Elisabeth Kulman has decided to focus her future singing activities on concerts, recitals and concertante operas. Therefore, she has withdrawn from all scenic opera projects that were scheduled at several international opera houses and festivals. Elisabeth gratefully and gladly looks back on her operatic career and hopes to find understanding for her personal decision. She very much looks forward to her next artistic projects and meetings.
So lautet die offizielle Pressemitteilung. Den Menschen, die mir am Herzen liegen oder denen ich am Herzen liege, möchte ich aber gerne noch einige Worte dazu sagen. Für sie sind die folgenden Zeilen bestimmt.
Ich habe die wahrscheinlich schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen. Schwer vor allem deshalb, weil mir bewusst ist, dass ich damit viele Menschen vor den Kopf stoße: meine beiden Agenten und die Intendanten, die ich bitte, unterschriebene Verträge und Vereinbarungen für die nächsten Jahre aufzulösen; die Fans und Opernliebhaber, die mich auf der Bühne vielleicht vermissen werden; meine SängerkollegInnen, die möglicherweise das Gefühl haben, ich würde die Familie oder gar das sinkende Schiff verlassen. Ich muss gestehen, ich habe mir im Moment der Entscheidungsfindung verboten, mir über die Konsequenzen und die vermeintlichen Gefühle anderer Gedanken zu machen. Ansonsten hätte ich die Kraft und den Mut nicht aufgebracht, zu meinem Bauchgefühl zu stehen. Bauchgefühl, innere Stimme, Stimme des Herzens – wie immer man sie nennen will, die Intuition: Sie ist der untrügliche Wegweiser durchs eigene Leben, zum persönlichen Glück. Idealerweise in Kombination mit klugem Einsatz des Verstands. Für alle wichtigen Entscheidungen in meinem Leben bin ich meinem Herzen gefolgt und damit gut gefahren. In den letzten Monaten aber – seit meiner Bikwam also (für die, die meine Thailand-Berichte verfolgt haben) – habe ich erstens mich selbst besser kennen gelernt und zweitens ein noch stärkeres Bewusstsein für die wirkungsvolle Kraft der Intuition entwickelt. Du kannst deiner inneren Stimme zu hundert Prozent vertrauen! Das ist nicht schlecht. Sogar sehr viel! Oder alles – in einer Zeit, wo man kaum mehr weiß, welchem Trend man gerade folgen soll oder welcher Stimme man Glauben schenken soll. Mir scheint, wir alle, mich eingeschlossen, leben viel zu oft nach den (vermeintlichen) Erwartungen anderer, nach Regeln, die gar nicht zu uns passen, anstatt den Mut aufzubringen, unsere eigenen Träume auszusprechen und zu verwirklichen.
Was ist denn aber der handfeste Grund für so eine schwerwiegende Entscheidung, werden sich Ungeduldige fragen. Wie so oft gibt es nicht den einen Grund, sondern sind es mehrere Kleinigkeiten, die ich hier nicht alle aufzählen kann. Nein, sie haben das Fass nicht zum Überlaufen gebracht. Denn so weit wollte ich es eben nicht kommen lassen. Ich gehe mit tiefer Dankbarkeit und Freude, mit einem lachenden Auge und mit einem weinenden Auge (das kann und will ich nicht verhehlen), aber gemäß dem Sprichwort: Man soll aufhören, wenn’s am schönsten ist.
Das Opernbusiness ist ein riesiger Betrieb, der kreative Spielraum des einzelnen relativ klein. Als Künstlerin geht es mir aber gerade um die eigene Kreativität, den persönlichen Ausdruck, die Individualität. Ich habe für mich persönlich herausgefunden, dass ich mein kreatives Potential am besten zur Entfaltung bringen kann, wenn ich nach meinen eigenen Regeln arbeiten kann und mich nicht fremden Strukturen unterordnen muss. Deshalb ist das keine allgemeine Kritik am heutigen Opernbetrieb, sondern schlicht die Erkenntnis der Inkompatibiltät mit meiner Persönlichkeitsstruktur.
Auch ich bin traurig, ein Abschied schmerzt immer. Ich werde besonders die vielen Menschen hinter der Bühne, mit denen ich jahrelang wundervoll zusammenarbeiten durfte, vermissen. Zuneigungen und Freundschaften sind entstanden. Ich danke euch für eine unvergessliche Zeit und werde euch im Herzen behalten! Sängerkollegen, Musiker und Dirigenten hoffe ich nicht vermissen zu müssen, werden wir uns doch auf den Konzertbühnen wieder begegnen. “art but fair” ist im Opernbereich mit meinem Nachfolger Christian Sist und Emilio Pons bestens aufgestellt. Ich habe größtes Vertrauen, dass sie viel Positives bewegen werden, und werde beitragen, soweit ich kann.
Ich danke meinen Mitarbeitern, meinen beiden Agenten und meinen Freunden, die geschlossen hinter mir stehen und meine Entscheidung mittragen. Ich schätze mich glücklich, das beste Team der Welt zu haben.
Liebes Publikum, es gibt für Sie keinen Grund traurig zu sein. Meine Stimme wird weiter klingen für alle, die sie gerne hören wollen und Freude daran haben. Wir schlagen nur eine neue Richtung ein, ein spannender Weg liegt vor uns. Kommen Sie mit, wenn Sie genauso wie ich Lust haben, Neues zu entdecken! Ich freue mich sehr auf Sie und lade Sie sehr herzlich zu meinen nächsten Auftritten ein!
Elisabeth Kulman
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